Wissen

Zur Lage unserer Artenvielfalt

Uns bleibt nicht mehr viel Zeit. Weltweit ist die Artenvielfalt gefährdet. Der UN-Weltbiodiversitätsrat rechnet damit, dass in den nächsten Jahrzehnten bis zu eine Millionen Arten aussterben könnten (1). Dabei werden nicht nur Regenwälder werden vernichtet, sondern auch artenreiche Biotope in Deutschland. Ein Drittel der in Deutschland vorkommenden Arten steht auf der Roten Liste und hat damit in seinem Bestand als gefährdet zu gelten (2).

Die einst diverse, strukturreiche Agrarlandschaft, die vielen spezialisierten Arten einen Lebensraum geboten hat, ist weitestgehend verschwunden. Die Landwirtschaft steht unter einem enormen Leistungsdruck, nach dem Motto „wachsen oder weichen“.  Die Folgen sind ein hoher Einsatz von Pflanzenschutzmitteln und Düngern, einseitige Fruchtfolgen und der Verlust von wichtigen Landschaftselementen, wie Hecken oder Randstreifen. Das ehemalige Mosaik verschiedener Flächen ist vielerorts einer Agrarsteppe aus Monokulturen gewichen.

Darunter leiden zum Beispiel die Insekten. Weltweit erleben fast die Hälfte aller noch beständigen Insektenarten einen Rückgang ihrer Population. Die sogenannte „Krefelder Studie“ konnte in Deutschland einen Rückgang der Fluginsekten-Biomasse von 76 Prozent seit 1989 nachweisen. (3) Ein erschreckendes Resultat! Insekten bilden in unseren Ökosystemen eine Schlüsselrolle, beispielsweise als Nahrungsquelle für andere Tiere oder als Bestäuber.  Für viele Bestäuber, wie Bienen, verschiedene Schmetterlinge, Fliegen und Wespen, bietet unsere Landschaft ein zu geringes Blühangebot. Bei den Bienen sind vor allem die sogenannten Wildbienen betroffen. Sie können meist nur wenige Wildpflanzenarten als Nahrung nutzen, haben spezielle Ansprüche an Nistplätze und sind teils stark gefährdet. Die Honigbiene (apis mellifera) hingegen ist ein Generalist, kann also von vielen Blüten naschen und ist nicht gefährdet. Allerdings findet auch sie in strukturarmen Landschaften nicht immer ein ausreichendes Blühangebot.

Ebenfalls stark betroffen sind unsere Vögel. Ein Drittel aller in Deutschland brütenden Vogelarten hat seit Ende der 1990er Jahre zurückgehende Bestände (4). Die Arten der offenen Agrarlandschaft trifft es besonders hart. Kiebitz und Rebhuhn haben in den letzten vier Jahrzehnten über 90% ihrer Bestände eingebüßt. (5)

Uns allen bekannt sind auch die süßen Feldhamster und die flinken Feldhasen. Einst Gewinner der Kulturlandschaft, doch in Zukunft könnten diese beiden keinen Lebensraum mehr bei uns finden. Der Feldhase ist nach der Roten Liste gefährdet, der Feldhamster ist sogar in seinem gesamten Verbreitungsgebiet vom Aussterben bedroht! (6)